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Ankama-Tracker

Eliokalypse: Das Lichtkind (1/2)

Von [Ankama]DOFUS - ADMIN - 24. Oktober 2019 17:00:00
Anka-Tracker News

Sie hallt durch die Zeiten. Wie ein Echo zwischen den Epochen. Ihr versteht noch nicht, was das bedeutet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Das Ende eines Zyklus und der Beginn des nächsten Zyklus. Man kann es sich wie eine Schleife vorstellen, die sich beim Aufwickeln nach und nach anpasst und Gestalt annimmt. Ein Déjà-Vu-Erlebnis, das mit dem letzten Erlebnis nicht ganz übereinstimmt. Der Sand rieselt unaufhörlich weiter. Das letzte Sandkorn beinhaltet die Wahrheit ...

Reisende, die das Netz der Zaaps genutzt haben, haben von seltsamen Vorfällen berichtet. Unsere Ermittlungen haben gezeigt, dass sie auf Zeitanomalien gestoßen sind. Die Zeitanomalien selbst sind unsichtbar, da sie sich an den Grenzen zur Realität befinden, ihre Wirkungen jedoch sind sehr wohl sichtbar. Ihre Präsenz bringt die Kreaturen der Welt der Zwölf völlig durcheinander … Ganz zu schweigen von allen anderen Folgen, die Zeitanomalien mit sich bringen: Sie führen beispielsweise dazu, dass Uhrwerke nicht mehr richtig funktionieren und lösen Kopfschmerzen bei den Xélors aus. Die Zeitanomalien könnten sogar einen Zusammenbruch des Kontinuums, des Raum-Zeit-Gefüges, verursachen! Aber wie sind sie entstanden? Das ist ein großes Geheimnis und ich werde versuchen, das Rätsel zu lösen.

Ich bin Xélors Gesandte.

Man spricht von einem Kind in Amakna ...

Seit seinem Sturz vom Dracotruter vor einigen Wochen kann es wohl die Zukunft vorhersagen. Alles, was es sagt, scheint wahr zu werden. Die Kunst der Weissagung ist nicht jedem gegeben. Meistens handelt es sich um Betrug oder eine Inszenierung. Aber man soll ja jeder Spur nachgehen ...

… Warum wird die Kutsche plötzlich langsamer?

Der Kutscher öffnet ein Fenster in der Holzwand, die uns trennt, und lässt Wind und Regen herein:

„Ich sehe Reisende, gnädige Frau! ruft er durch seinen Schal hindurch.

-Und …? antworte ich.
-Sie winken mir zu. Soll ich stehenbleiben, damit sie einsteigen können, oder ...?
-Wir haben keine Zeit!
-… Natürlich, gnädige Frau.“

Er schließt das Fenster mit einem Ruck wieder. Brrr ... Ein paar Sekunden haben gereicht, damit die Kälte den ganzen Wagen erfüllt! Ich setze meine Kapuze auf und knöpfe meinen Pelzmantel bis ganz nach oben zu, bevor ich mich nach hinten umdrehe. Durch das Rückfenster kann ich zwei Silhouetten in dieser grauen Landschaft erkennen: Eine große fuchsrote Sram, die bis auf die Knochen durchnässt ist und schlecht gelaunt zu sein scheint (sie verflucht mich wahrscheinlich so richtig), und neben ihr einen kleinen Xélor, der unter seinem großen tropfenden Hut bewegungslos dasteht. Ich kann zwar sein Gesicht nicht erkennen, aber ich habe den Eindruck, dass er lächelt.

*****

Ich klopfe an die Tür und eine Maskerador-Mutter öffnet mir und bittet mich in ihre Hütte herein. Höflichkeitshalber schiebt sie ihre große Stammesmaske hoch. Unter der übertrieben verzerrten Grimasse verbirgt sich ein kleines rundes, lächelndes Gesicht.

„Folgt mir! Smoussy spielt in seinem Zimmer …

-Danke für den freundlichen Empfang, Frau Trorance. Ich werde nicht lange stören ...
-Lasst euch ruhig Zeit! versichert mir diese kleinwüchsige Gestalt, die sich mit Leichtigkeit durch ein richtiges Labyrinth von engen und schlecht beleuchteten Korridoren hindurchschlängelt, während ich mich überall anstoße. Und nennt mich Mimie! Ich habe nicht sehr oft Besuch und noch weniger von einer so hübschen, netten Dame wie euch ... Ihr untersucht die Zeitanomalien, liege ich da richtig?
-Ja, genau. Vielleicht hat das nichts miteinander zu tun, aber wenn das, was man über euren Sohn sagt, wahr ist, dann könnte seine Aussage bei den Ermittlungen durch zusätzliche Informationen weiterhelfen.
-Der Zauberer im Dorf sagt, er hätte den Seum …
-… Den „Sim“, meint ihr wohl?
-Ja, genau! wiederholt Mimie Trorance und kichert vor sich hin. Tschuldigung ... ich kann mir diese Fachwörter nicht so gut merken ...
-Nach einer Theorie der Übermagier ist der Sim wohl ein magischer Speicherort, den wir alle in uns haben. Genau hier … (Ich tippe mit dem Finger an meine rechte Schläfe und meine den Kopf.) Ein Ort, den wir nicht nutzen. Dort liegt Energie verborgen, die sie „Licht“ nennen. Das hat man wohl bei bestimmten Personen festgestellt, die ein Trauma erlebt haben. Es handelt sich aber um eine unbegründete Theorie ...
-Jetzt, nachdem ihr es mir erklärt habt ... verstehe ich es noch weniger!
-Ich schicke euch meinen Bericht,“ antworte ich, während sie mir die Tür zu Smoussys Zimmer öffnet.

Der kleine Junge sitzt mit dem Rücken zur Tür im Gegenlicht. Ich sehe ihn in der Mitte des Zimmers im Schneidersitz. Er muss fünf oder sechs Jahre alt sein. Er scheint von einem strahlenden und warmen Licht umhüllt zu werden, das durch das Fenster ins Zimmer dringt. Dabei war es vor einem Augenblick noch ganz kalt und grau da draußen ... Das Kind macht wiederholte Bewegungen, die ich im Moment nicht interpretieren kann, ich bin mir aber sicher, dass es etwas vor sich hinflüstert. Seine Mutter ruft ihn. Er dreht sich sofort um, sogar noch einen Augenblick früher, was mich überrascht. Er trägt eine farblose und ausdruckslose Holzmaske. Die Puppe, die er auf seinen Knien kämmt, sieht genauso aus wie das Kind, man könnte meinen, es ist eine Miniaturausführung des Jungen. Und in diesem Augenblick frage ich mich wirklich, warum ich hergekommen bin.

„Das ist Xélors Gesandte, von der ich dir erzählt habe, Smoussy. Sei höflich und nimm deine Maske ab, um mit ihr zu sprechen!“

Er schiebt die Holzmaske nach oben auf seinen Kopf. Sein Gesicht beruhigt mich, genauso wie das seiner Mutter vorhin. Er ist wirklich nur ein Kind! Jetzt ist nur noch diese Puppe auf seinen Knien etwas unheimlich.

„Hallo, könntest du mir erzählen, was dir passiert ist? Der Unfall, die Visionen ...

-Das sind keine Visionen, gnädige Frau. Das ist die Realität, aber ... ich träume davon, bevor es passiert. Diese Träume gibt es wirklich! (Er lässt seine Puppe auf einem Plüschdrachen reiten.) Ich ritt gerade nach der Schule auf dem Rücken meines Dracos Laktukillekille nach Hause. Als wir aus dem Zaap des Dorfes kamen, spielte der Draco plötzlich verrückt, als hätte er so eine Art Drehkrankheit ... (Sein Plüschtier bäumt sich auf ...) Ich habe versucht, ihn zu beruhigen, aber es hat nichts gebracht. Und bam! (... er lässt die Puppe auf den Boden fallen.) Also, so hat man es mir erzählt ... Ich kann mich nicht erinnern, heruntergefallen zu sein. Da habe ich dann meinen ersten Traum gehabt. (Er legt seine Puppe wieder auf seine Knie.)
-Und …?“

Sein Blick erstarrt. Er schaut ins Leere. Seine Puppe scheint mich zu fixieren. Ich zucke zusammen, als ich plötzlich eine tiefe heisere Stimme aus dem Mund des kleinen Smoussy Trorance höre:

MUARTPLA … MUARTPLA …

Dann legt er die Puppe an sein Ohr, als würde sie ihm etwas zuflüstern. Er dreht ihren Kopf um eine Vierteldrehung weiter und zeigt mir ein anderes Gesicht der Puppe. Es sieht erbärmlich aus.

Ich kann kaum erwarten zu ernten, was wir gesät haben! sagt er erneut mit einer näselnden und spöttischen Stimme.

-Was … wovon sprichst du, Smoussy? frage ich ihn und plötzlich blinzelt er mit den Augen, als ob er wieder zu sich kommen würde.
-… Also, ich spreche von meinem ersten Traum, sagt er mir, ohne seine Abwesenheit gemerkt zu haben. Ich habe einen eingemummten Abenteurer gesehen. Er war jung. Er erinnert mich an euch ... Er schien außerhalb der Zeit zu existieren. Wie in einer Schleife ...
-Martalo …
-Ja, das hat er in meinem Kopf gesagt! Dass er auf der Spur einer ... Macht war, auf die sein Gott kein Einfluss war ...
-Du meinst wohl „auf die Xélor keinen Einfluss hatte“?
-Ja, das meine ich. Danach waren meine Träume viel realistischer … Also, für mich jedenfalls … Zum Beispiel habe ich Jan Laib, den Bäcker des Dorfs, im Traum gesehen, als er sein Brot im Ofen anbrennen ließ, weil er sich ständig mit den Mädels von nebenan, aus dem Laden Abrak, unterhielt. Und dann habe ich gesehen, wie alle Dracotruter von Kuja aus der Koppel entkommen konnten, da er sie nicht gut genug verschlossen hatte und zu sehr damit beschäftigt war, seine Fresssäcke zu zählen …
-Wie konntest du wissen, dass dies wirklich eintrifft?
-Mama ist hingegangen, um nachzufragen, nachdem ich ihr meinen Traum erzählt habe. Jedes Mal, und ... sie ist immer gerade noch rechtzeitig gekommen, um eine Katastrophe zu verhindern. Der Bäcker und der Züchter haben sie schon etwas seltsam angesehen, das hat sie mir gesagt.
-Hast du noch einen anderen Traum gehabt, der so unverständlich wie der erste war?
-Ja …“

In diesem Augenblick legt er die Puppe an sein Ohr und nickt zustimmend, so als ob er ihr zuhören würde, bevor er erneut ihren Kopf dreht. Sie hat wieder ein neues Gesicht und sieht diesmal kampflustig aus.

Es ist an der Zeit, zum Angriff überzugehen!“ schreit er nun in einem autoritären Ton.

Eine Vierteldrehung weiter wird ein abscheuerregendes und verderbtes Gesicht enthüllt.

Wir brauchen nichts zu überstürzen. Unsere Bemühungen werden bald die ersten Früchte tragen.

Ein neuer Rückfall. Neues Gesicht, neue Stimme:

Ich mache sie alle zu meinen Sklaven!

Jedes Mal habe ich den Eindruck, dass eine andere Person in Gestalt des kleinen Maskerador zu mir spricht. Ich habe mehrere Persönlichkeiten wahrgenommen. Da kriegt man ja eine Piepmatz-Haut ... Genau in diesem Moment reißt Smoussy plötzlich ungewollt den Kopf der Puppe ab, wahrscheinlich weil er sie zu fest an sich gedrückt hatte. Und plötzlich scheint dadurch ... der Kontakt abzubrechen. Aber er spricht einfach weiter, als wäre nichts passiert:

Seltsam ... ich kann mich nicht mehr sehr gut an meinen zweiten Traum erinnern. Ich glaube, da war ein Drache und ... Federn. Aber ... ich kann mich nicht mehr erinnern. Alles ist wie weggeblasen! Das sind bestimmt diese Stimmen ... Manchmal stehlen sie meine Träume ...

  • Welche Stimmen?
  • Die ich manchmal mitten in der Nacht höre und die mich aus meinen Träumen reißen. Die aus dem Schrank.
  • Aus dem Schrank?
  • Ja, hier!“

Er zeigt mir einen Ausgang direkt hinter mir, den ich bisher noch nicht bemerkt hatte: Während ich in die Hocke gehe, um nicht größer als Smoussy Trorance zu sein, entdecke ich eine große weiße Tür mit grauenhaften Kinderzeichnungen. Vor meinen Augen steht in roter Fett-Kreide:

MUARTPLA

Auf meinen Lippen: „Alptraum“.

Ich öffne die Tür ... und schreie fast auf, als ein Wischmop direkt auf mich fällt! Smoussy und seine Puppe lachen. Also … er lacht. Glaube ich.

Somit entschied ich, mit Magus X über dieses Kind zu sprechen. Ich werde ihm die Entscheidung überlassen, ob noch jemand anders hinzugezogen werden sollte. Jemand, der diese Zeichen besser als ich interpretieren kann.

Der Meister der Träume wird euch Ende Oktober mit einer neuen Quest im Spiel aufsuchen. Bis dahin ... schlaft gut!

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