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Eliokalypse: Das Lichtkind (2/2)

Von [Ankama]DOFUS - ADMIN - 08. November 2019 16:00:00

Bei ihren Ermittlungen über die Zeitanomalien hat Xélors Gesandte einen jungen Maskerador in Amakna kennengelernt, der Ereignisse vorhersagen konnte, die noch nicht eingetreten waren. Dieses seltsame Treffen, auch wenn es alle notwendigen Elemente der laufenden Angelegenheit aufwies, schien dennoch über den Rahmen ihrer Ermittlungen hinauszugehen. Daher informierte sie Magus X, dass der Fall dieses Kindes sowohl auf eine Zeitumstellung zurückzuführen war als auch mit Träumen und Alpträumen zu tun hatte …

Träume und Märchen sind Schatten der Wahrheit, die noch lange fortbestehen, nachdem die erwiesenen Tatsachen in Vergessenheit geraten und die Gewissheiten zu Staub zerfallen sind. Aber der Traum muss genährt werden, sonst wird er immer schwächer. Seine Farben verblassen, seine Einzelheiten verschwimmen, seine Symbole verlieren an Bedeutung. Die Zukunft sieht düster aus. Eines Tages werden die Sterblichen nicht mehr träumen ... Die Traumlande, deren Wächter ich bin, wird dann in großer Gefahr sein. Zusammen mit talentierten Abenteurern muss ich alles tun, was in meiner Macht steht, um das zu verhindern.

Ich bin der Meister der Träume.

Magus X hat mir von einem Kind in Amakna erzählt …

Seine Träume scheinen klarere Konturen als gewöhnlich aufzuweisen. Sie sind nicht nur ein Schatten, sondern eine Spiegelung der Wahrheit. Wenn dem so ist, könnte es sich um eine seltene Gabe handeln, insbesondere bei einem Sterblichen. Oder aber um eine gewisse Anomalie, die jederzeit wieder so schnell verschwinden kann, wie sie gekommen ist. Wie dem auch sei, die Träume hinterlassen immer verschwommene Spuren auf ihrem Weg, einen Nachklang, der nur von einem Träumemacher entschlüsselt werden kann ...

*****

Während meiner Reise habe ich ihn plötzlich sehr eindeutig wahrgenommen, wie einen Leuchtturm mitten in der Nacht. Ich breitete meine Flügel etwas mehr aus, um mich auf den Wellen der Träume der Zwölfianer treiben zu lassen. Ich wurde so heftig vorangetrieben, dass ich dachte, mitgerissen worden zu sein. Der Strom führte mich direkt zu ihm. Er war wohl mitten im paradoxalen Schlaf. Es gab Zeiten, in denen die Flut der Träume der Sterblichen alle so mächtig wie dieser hier waren. Dieses Gefühl kam wohl dem am nächsten, was die Zwölfianer als Wohlbefinden bezeichnen. Ich ließ mich bei voller Geschwindigkeit und dennoch sanft weitertreiben und verstand in diesem Moment etwas besser, warum so viele von ihnen auf der Suche nach dieser Seelenruhe waren.

Ein helles Licht durchdrang die Hütte in diesem extrem ruhigen Landstück. Ich allein konnte es sehen. In meinem Zustand der Transzendenz konnte ich die Wände geräuschlos durchdringen und über dem Bett des Kindes schweben, ohne dass es meine Anwesenheit bemerkte. Ich war nur ein Traum von vielen. Noch bevor ich versucht hatte, den Traum zu ergründen, war ich mir schon des Scharfsinns der Träume dieses jungen Maskeradors bewusst. Seit einiger Zeit sind die Träume der Zwölfianer heftiger geworden. Üblicherweise war es eine homogene Masse mit seltenen Varianten, einigen kennzeichnenden Höhepunkten, die aber an diese Traumwelt angelehnt blieben. In letzter Zeit fiel mir jedoch eine Art Rastlosigkeit auf, die ich mir nicht erklären konnte. Ich konnte Varianten mit erhöhter Spitze sehen, die jedoch konfus waren. Das Traumlicht dieses Jungen war so klar und so rein wie Quellwasser, das nach Kilokametern unter der Erde in Form eines Wasserfalls plötzlich herausströmt, bevor es als sanft dahingleitender Wasserlauf eure Sinne umhüllt.

Smoussy Trorance lag in seinem Bett. Seine Augenlider flatterten. In meinen Augen strahlte er und erschien mir wie eine genaue, kompakte Gestalt, die ich durch die Wände und Betttücher wahrnahm. Um ihn zu „enthüllen“ musste ich nur einen leichten drachenhaften Seufzer ausstoßen, dessen Geheimnis ich als einer der wenigen oder sogar als einziger kenne. Wie der flaumige Ball einer Löwenzahnblume zeigt, was in ihrem Herzen verborgen ist, wenn man ihn fortbläst, lüftete sich der Schleier und ich konnte die Träume des Kindes beobachten.

*****

Es ist schwierig, das Unfassbare in Worte zu fassen. Die Träume erscheinen in verschiedenen Dimensionen, richten sich an Sinne, die nicht alle Wesen besitzen. Was ich in jener Nacht gesehen habe, ähnelte einem Auge des Zyklons. Ich versuchte, diese Vision weiterzuverfolgen, vorausschauend zu sein, zu verstehen, wo dieser unkontrollierbare Orkan entstanden war. Ich hatte das Gefühl, gegen eine Kraft anzukämpfen, wie bei zwei sich abstoßenden Magneten. Trotz meiner Hartnäckigkeit kam ich nur sehr schleppend voran und wurde immer schwächer. Einige Träume sind in ihrem eigenen Alptraum gefangen und es kann vorkommen, dass der Träumer der Schlüssel dazu ist. So flüsterte ich Smoussy ins Ohr: „Wenn ein Traum hartnäckig an die Pforte des Bewusstseins klopft, wäre es nur weise, ihm Einlass zu gewähren …“

Das Kind murmelte: „MUARTPLA ...“

Und langsam legte sich der Wind und ließ mir die nötige Zeit, um einen Tiegel zu sehen, in den man Sand streute. Kurz danach kam der Wirbelwind wieder auf und stieß mich in eine dicke Wolke mit heftigen Niederschlägen zurück. Zu diesem Zeitpunkt erschien es mir unmöglich, wieder zum Auge des Zyklons zu gelangen. Aber ich hatte andere Bilder vor Augen. Ich konnte eine Präsenz fühlen ... nein! Mehrere. Düstere Silhouetten. Böse Vorzeichen. Diese Schatten schienen so unerschütterlich zu sein wie Berge im Wind. Die Reittiere dieser Kreaturen sahen so dämonisch aus wie sie selbst. Glühende und feindselige Augen öffneten sich und donnernde Sprüche ertönten.

Ich kann es kaum erwarten, zu ernten, was wir gesät haben! entrüstete sich eine ungeduldige und näselnde Stimme.

– Es ist an der Zeit, zum Angriff überzugehen! rief eine befehlshaberische Stimme.

— Wir brauchen nichts zu überstürzen. Unsere Bemühungen werden bald die ersten Früchte tragen, ertönte eine gelassene Stimme.

– Ich mache sie alle zu meinen Sklaven!“ erklärte eine entschlossene Stimme.

Ich hörte den Unmut eines ganzen Volkes und Schreie beim Anblick ihrer brennenden Häuser. Ich sah eine Herrscherin, die auf ihrem Thron erschlagen wurde. Eine neue Stimme riss mich aus diesem Traum. Als würde sie von woanders her kommen ... irgendwo in der Nähe. Sie sagte folgende Worte:

„Sie hallt durch die Zeiten. Wie ein Echo zwischen den Epochen. Ihr versteht noch nicht, was das bedeutet. Es ist nur noch eine Frage der Zeit. Das Ende eines Zyklus und der Beginn des nächsten Zyklus. Man kann es sich wie eine Schleife vorstellen, die sich beim Aufwickeln nach und nach anpasst und Gestalt annimmt. Ein Déjà-Vu-Erlebnis, das mit dem letzten Erlebnis nicht ganz übereinstimmt. Der Sand rieselt unaufhörlich weiter. Das letzte Sandkorn beinhaltet die Wahrheit ...“

In diesem Augenblick befreite ich mich von dem Bann des Traums von Smoussy Trorance und war davon überzeugt, dass die Stimme aus seinem Zimmer kam. Ich drehte mich zu einer und dann zur anderen Seite, bevor ich hinter meinen Rücken nachsah. Auf einem Regal direkt über mir saß eine Puppe mit einer oberflächlichen Holzmaske. Sie schien mich anzustarren. Das Seltsamste dabei war, dass ich trotz dieses ausdruckslosen Gesichts einen Moment lang ... den Eindruck hatte, dass sie lächelte.

Draconiros gesellt sich in einem neuen Update im Dezember zu euch.

Und in der Zwischenzeit … träumt was Schönes!

Zum Nachlesen: ELIOKALYPSE: DAS LICHTKIND (1/2)

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