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Das Erbe der Dunkelheit

Von Drachenmedel - MITGLIED - 07. Juni 2016 21:04:30

Mit das Erbe der Dunkelheit möchte ich eine neue Fortsetzung zu Das Siegel des Lebens schreiben. Mein alter Versuch einer Fortsetzung scheiterte daran, dass ich viel zu überstürzt losgeschrieben habe, ohne ein sinnvolles Grundgerüst.
Ich versuche regelmäßig ein neues Kapitel zu schreiben und hoffe euch gefällt die neue Geschichte.

Liebe Grüße, Shape

(Zusammenfassung von Das Siegel des Lebens)

Was bisher geschah


In das Siegel des Lebens ist die Welt der Zwölf von Dämonen bedroht, die alles daran setzten der Mutter der Dunkelheit das wiedererstarken zu ermöglichen. Nach einer Vision von Sadida machen sich Creusa, eine junge Sadidapriesterin, und ihre Freunde auf, um einen Weg in die Dimension der Götter zu suchen, denn nur dort finden sie uralte Waffen, die das drohende Unheil abwenden können. Mit der Hilfe von Loki, einem Iop, Fye, einem Eca, Epicur, einem stolzen Sacrieur und den Crâs Banimalo und Ezechiel, gelingt es ihr den Zugang zu einer Zeitspalte zu finden, der von einer uralten Bruderschaft bewacht wurde.

Währenddessen fallen Mutanten unter der Führung von Kukulkan, einem Dämon, in den Sadidatempel ein. Zeitgleich befinden sich zwei Mitglieder von Geryon, einem Geheimbund, im Tempel, die den Sadidas helfen wollen. Es kommt zu einem furchtbaren Massaker, dem Gevatterchen und Junosan nur mit Müh und Not entkommen können. Geryon agiert schon lange gegen die Dämonen und versucht Zugang zu ihrem Versteck zu bekommen. Dies gelingt ihnen, als es Snow-Theme und Chagrin einer Dämonin ihren Teleportstein stehlen können.

Als unsere Helden dann in der Dimension der Götter eintreffen und sie in der Rumpelkammer von Sadida ihre Waffen finden durchbricht ohrenbetäubender Lärm die Stille. Den Dämonen ist es gelungen ein Portal in die Welt der Götter aufzubrechen und abertausende von ihren Mutanten strömen in die Dimension. Auch mit der Hilfe von Osamodas‘ Kreaturen sieht es schlecht aus für die Götter, die schiere Überzahl der Feinde droht sie zu überrollen. Die letzte Chance sind die drei Urdrachen Sonnenglanz, Silberwuchs und Dornenschweif, die tief unter der Erde von Osamodas‘ Insel schlafen. Nach ihrem Erwachen gelingt es den Göttern das Blatt zu wenden und die Dämonen zurück zu treiben.

Die drei Urdrachen eröffnen unseren Helden auch, was es mit der Mutter der Dunkelheit in Wahrheit auf sich hat. Sie ist nämlich tatsächlich ihre Drachenschwester Wolkenschuppe, die vor unzähligen Jahren von der Dunkelheit besessen wurde. Im Kampf gegen sie opferten die Götter damals einen Teil ihrer Erinnerungen wodurch sie sie im Inneren der Welt der Zwölf versiegeln konnten. Um dieses Siegel zu erneuern versuchen die Gefährten zurück in ihre Welt zu reisen, müssen aber feststellen, dass die Dämonen das Portal durch einen Apparat in ihrer Burg auf der Insel Albra mit einem Schild blockieren. Sonnenglanz sendet daraufhin ihr Bewusstsein aus um den Mitgliedern von Geryon aufzutragen die Maschine zu vernichten. Innovindil, Junosan, Crush, Gevatterchen, Ultimox, Snow-Theme und Chagrin halten sich auf der Insel auf um ein ehemaliges Mitglied von Monujo zu retten, das von den Dämonen für Experimente missbraucht wurde.

Mit Sonnenglanz‘ Hilfe gelingt es ihnen die Maschine zu zerstören, woraufhin die Gefährten gemeinsam mit hunderten von Osamodas‘ Kampfvögeln und den drei Urdrachen das Portal passieren und auf Albra ein grauenvoller Kampf gegen die Mutanten und Dämonen beginnt. Unsere Helden fliegen auf den Wächtern der Zeitspalte zum Mittelpunkt der Erde, wo die Mutter der Dunkelheit versiegelt liegt. An der Oberfläche kämpft sich Geryon durch die zusammenfallende Dämonenfestung.

Bei der Mutter der Dunkelheit wartet Kukulkan, die Versiegelung misslingt und Fye verliert sein Leben. Die befreite Mutter der Dunkelheit kämpft in Form eines schwarzen Drachen gegen ihre ehemaligen Geschwister. Beim Versuch die Dämonenoberhäupter von den Drachen abzulenken fallen auch Banimalo und Ezechiel und inmitten des ganzen Chaos findet sich Gevatterchen. Diese hat bei ihrer Flucht eine Glaskugel gestohlen, die zerbricht. In ihr war die stumme Magierin Nehra gefangen und wie durch ein Wunder gelingt es ihr die Dunkelheit zu besiegen und Wolkenschuppes Seele zurück in ihren Dofus zu verwandeln, wodurch der Kampf endlich gewonnen war.

Nachdem sich der Staub gelegt hat beerdigen Creusa, Loki und Epicur ihre Freunde. Während Epicur zu Geryon zurückkehrt ziehen Loki und Creusa los um ein sicheres Versteck für Wolkenschuppes Dofus zu finden, den Nehra ihnen anvertraut hat. So trennte sich der Weg der Freunde und ihr langes Abenteuer fand ein Ende.




Kapitelübersicht

Prolog
Kapitel I 
1 -1
Reaktionen 2
Punkte : 1874
Prolog



Ein sanftes Rot zieht sich durch das goldgelbe Wolkenmeer über Otomais-Insel. Zu Füßen des gewaltigen Stammbaums, der die Insel überspannt, regen sich Kreaturen aller Art. Die einen um sich Schlafen zu legen, die anderen um wach zu werden. Es ist idyllisch und ruhig, während der Wind zärtlich durch die Krone des Stammbaums streicht.

Nachdenklich blicke ich hinaus zum Horizont während Erinnerungen durch meinen Geist blitzen.Erinnerungen an großes Leid und Katastrophen, denen ich beigewohnt habe in meiner Vergangenheit. Aber darunter finden sich auch - versteckt wie kleine Diamanten zwischen Sandkörnern - wunderschöne Erinnerungen. Als ich jedoch versuche sie in mich aufzunehmen, mich ganz von ihnen vereinnahmen zu lassen, entgleiten sie mir, wie durchscheinender Nebel den man mit seiner Hand fassen will. Frustriert greife ich mir in die Haare und kämpfe gegen die Flut von Erinnerungen an, die mich immer zu übermannen drohen sobald ich raste.

Als ich tief einatme scheint alles ganz einfach zu sein. Ich schließe die Augen, lehne mich nach vorn, rutsche mit den Beinen von den Brettern der Terrasse und falle in die Tiefe. Einen Moment genieße ich den freien Fall und frei von allem zu sein. Nichts beherrscht mein Denken als ich vorbei an Blättern und Zweigen in die Tiefe rausche. Leider ist dieser Zustand nicht von allzu langer Dauer, denn in der Ferne kann ich schon das Wiehern eines Pferdes hören und kurz darauf sammelt mich Pegasus im Flug auf und ich klammere mich in die Mähne des schwarzen Hengstes.

„Du könntest mich auch einfach um einen Rundflug bitten“, ertönt Pegasus‘ Stimme in meinem Kopf. „Könnte ich“, brumme ich zur Antwort und lehne mich an den Hals des schwarzen Pferdes, während er mit kurzen und kräftigen Flügelschlägen an Höhe gewinnt. Wir steigen weit auf, hoch nach oben und der Sonne entgegen. „Es gibt so vieles was wir noch nicht gesehen haben, Pegasus“ Pegasus schweigt. Er fliegt eine enge Schleife um den Stammbaum, die schwarzen Flügel weit ausgebreitet. Der Wind zerrt an meinen orangen Haaren, während ich den Blick über die Insel schweifen lasse.

„Es braut sich etwas zusammen, Loki“ Frustriert runzle ich die Stirn und seufze: „Ich weiß. Ich spüre es. Ich spüre es nur allzu genau. Es ist als wolle irgendetwas in mir mich daran erinnern…“ „Es ist der Dofus. Er ruft nach dir. Wolkenschuppe spürt auch, dass etwas den Frieden bedroht. Da du den Dofus so lange beschützt hast bist du auf eine bestimmte Art mit ihm verbunden…“ Verärgert raufe ich mir die Haare und ein Schrei der Verzweiflung entgleitet mir: „Ich weiß! Ich spüre ihn immer und doch kann ich ihn nicht finden. Ich finde ihn einfach nicht! Es ist als würde man etwas beschreiben wollen und das Wort liegt einem auf der Zunge – du weißt es ist da aber du findest es nicht“ Kraftlos sinke ich in mich zusammen während eine Erinnerung vor meinen Augen aufwabert. „Ich hab ihn verloren. Ich hab sie beide verloren…“ Verzweifelt beiße ich mir auf die Unterlippe und kneife die Augen zusammen, als ich versuche die drohenden Erinnerungen abzuschütteln. „Alles war da und nun ist es weg…“

Pegasus schweigt und lässt mich allein in meiner Trauer. Er gleitet weiter in ausladenden Spiralen über die Insel hinweg und der kühle Wind um mich herum hilft mir langsam mich zu beruhigen.

„Etwas wird auf uns zukommen, Pegasus. Die Frage ist nur was“, ich richte mich auf und reiße mich zusammen. Mein Blick schweift zum Horizont, über die Wolken die sich mittlerweile tief rot färben. „Meister Otomai ist auch schon beunruhigt, Loki. Er läuft durch seine Wohnung wie ein aufgescheuchter Tofu und brabbelt dauernd vor sich hin. Er unterbricht sogar seine Forschungen.“

Besorgt runzle ich die Stirn. Wenn etwas Otomai dermaßen beschäftigt, dann kann es sich nur um irgendetwas Großes handeln. Etwas sehr Großes.
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Punkte : 1874


Kapitel I




In der Vergangenheit wurde die Welt der Zwölf von vielen Katastrophen erschüttert. Magie die das Gefüge des Universums durcheinander gewirbelt hat, Machtkämpfe zwischen uralten Wesen und Kriege unter den Menschen. Und als jüngste Narbe auf ihrem Antlitz finden sich die Überreste der Dämonenfestung auf Albra, einer Insel weit im Norden. Abgeschieden und nur für sich verfolgten die Dämonen dort ihre Experimente. Der Ort wirkt nun ausgestorben, verwüstet und kahl.

Eigentlich ist die gesamte Insel eine Wüste aus Eis und Schnee, doch seit der Schlacht der blutigen Schwingen vor vielen Jahren scheint es als würde die Zeit dort still stehen. Der Boden ist schwarz und verkohlt und ist übersät mit den Trümmern der einstigen Dämonenfestung. Sogar die verkohlten Überreste der Mutanten liegen noch auf dem Boden verstreut, gemeinsam mit denen der Vögel Osamodas‘. Es wirkt als hätte Xelors Uhrwerk diesen Fleck der Welt übergangen.

Eigentlich weiß kaum jemand von dieser Insel. Doch genial wie ich bin hab ich ihren Standort natürlich trotzdem herausgefunden. Und durch ein zweischneidiges Messer an der richtigen Stelle habe ich auch prompt jemanden gefunden, der mich per Schiff dorthin fahren wollte. Nun sitze ich an Deck des Schiffes und meditiere während der Kahn an Eisschollen vorbei gleitet. Das kleine Schiff ist ziemlich marode. Löcher in den Dielen, Löcher in den Segeln, Ratten unter Deck. Aber Komfort ist mir egal, solange man mich zu meinem Ziel bringt. Die spärliche Mannschaft des Schiffs huscht verstohlen über Deck und der misstrauische Blick des Kapitäns bohrt sich in meinen Rücken. Wie ich es doch liebe, wenn Menschen Angst vor mir haben!

Am Horizont zeichnen sich die Umrisse einer großen Eisformation ab, das muss die Insel sein. Ich greife zu meinen Dolchen, die neben mir auf dem Boden liegen und erhebe mich. Prüfend wiege ich sie in den Händen und streiche zärtlich mit dem Daumen über eine der leicht gebogenen Klingen. Sie fühlen sich so vertraut an, als wären sie ein Teil von mir, der untrennbar zu mir gehört. Sie sind breit, an den Spitzen gebogen und die Klinge setzt sich nach dem Griffteil nach hinten fort, sodass sie im schnellen Kampf zu einer tödlichen Waffe werden. Nachdenklich blicke ich von den Dolchen auf die Insel. Bald werden wir landen und ich muss vorsichtig sein. Diese Brut von Seeleuten überlegt die ganze Fahrt schon, wie sie mich um die Ecke bringen könnten und diesen Gefallen will ich ihnen beim besten Willen nicht tun. Dafür hänge ich viel zu sehr an meinem Leben… Und an meinen Dolchen.

Im Allgemeinen würde ich diesen Menschen raten, die Insel nicht zu betreten, denn das was dort vor vielen Jahren passiert ist hat tiefe Spuren hinterlassen, die nichts für den gemeinen menschlichen Geist sind. Albra ist ein Ort an dem sehr viel Leid passiert ist, doch im Unterschied zu anderen Schlachtfeldern ist das Leid an diesem Ort so greifbar, als schwebe es vor einem in der Luft. Es ist allgegenwärtig, weil die Insel in der Zeit eingefroren ist. Ich bin gespannt, wie es wirklich sein wird dort zu laufen und alles zu sehen.

Die Insel wird immer größer, einzelne Hügel zeichnen sich gegen den Himmel ab. Doch von der Festung ist noch nichts zu sehen. Anscheinend besitzt Albra doch eine größere Landmasse als ich dachte. Die Wellen plätschern leise gegen den Rumpf, als wir uns der Insel nähern. Sie sind fast das einzige Geräusch das die Stille durchschneidet, die über uns liegt. Selbst der eisige Wind, der eisig an meiner Kleidung zerrt, erscheint mir hier seltsam leise. Auch die Matrosen merken das und blicken verwirrt zum Himmel auf. Keine einzige Möwe kreist über uns und kein Fisch zeigt sich im kristallklaren Wasser. Alles wirkt wie ausgestorben. Langsam stehe ich auf und laufe vor zum Bug des Schiffes. Mein Blick schweift über die Eiswüste vor mir. Einzelne Windstöße wirbeln den gefrorenen Schnee auf, der im Sonnenlicht glitzert wie tausend winzige Diamanten.

Meinen Kopf in den Nacken legend blicke ich hoch zum wolkenlosen Himmel und grinse. Als ich einen kleinen Schritt zur Seite mache fliegt der Matrose der mich gerade angreifen wollte neben mir zu Boden. Ich drehe mich um, lächle die versammelte Mannschaft hinter mir an und lasse einen meiner Dolche zwischen meinen Fingern tanzen. „So du Zwerg! Wir wollen Geld von dir! Schließlich schippern wir nicht umsonst ans andere Ende der Welt“, ruft der Kapitän, ein knotiger, alter Enutrof mit Goldzahn. Seine Mannschaft aus Ecaflips und Iops rasselt mit den Säbeln. Ganz entspannt lächle ich und schnippe einem der Männer einen Zettel vor die Füße. „Was ist das? Was steht da drauf?“, will der Kapitän wissen, doch im selben Moment stehe ich schon hinter ihm und schneide ihm die Geldbörse vom Gürtel. Noch in derselben Bewegung drehe ich mich und weiche seiner Schaufel aus, mit der er nach mir schlägt, eine halbe Schraube in der Luft später stehe ich wieder an der gleichen Stelle wie zu Beginn und zwei weitere Crewmitglieder sind ihre Börsen los. Grinsend werfe ich die Börsen in die Luft und lasse eine nach der anderen in meinem Mantel verschwinden. Doch noch während unter den Seeleuten ein fürchterliches Geschrei losgeht spüre ich, wie das Meer zu schaukeln beginnt, ganz leicht nur, aber mein Instinkt sagt mir, dass es an der Zeit ist dieses Schiff zu verlassen.

Entspannt weiche ich einem Säbel aus, spaziere vorbei an Messern, Dolchen und Schaufeln und bahne mir einen Weg zum Heck des Schiffes. Dort spähe ich ins Wasser und mein Verdacht bestätigt sich. Unter der Wasseroberfläche kann ich Schatten erahnen. Sie sehen aus wie Stacheln oder Pfähle und gehören wahrscheinlich zu alten Verteidigungsmechanismen der Dämonen, die früher diese Insel bevölkert haben. Eilig laufe ich über die schmale Reling des Schiffes in Richtung des Bugs, im Laufen schnappe ich mir ein Seil, schwinge mich über die tobende Meute hinweg, die mich nach wie vor mir gereckten Säbeln verfolgt und springe mit einem Salto auf die Gallionsfigur des Schiffes. Als am Heck die ersten Pfähle schon in den Rumpf des Schiffes eindringen drehe ich mich noch einmal um, ziehe mir meinen Hut noch weiter ins Gesicht und schenke den armen Matrosen noch mein widerwärtigstes Lächeln bevor ich mit einem weiten Satz und dem Schwung einiger Schrauben auf einer Eisscholle nahe des Ufers lande.

Lächelnd drehe ich mich um und mache mich auf den Weg ins Landesinnere. Für die Besatzung des kleinen Schiffs kommt ohnehin jede Hilfe zu spät. Ich schlendere über die Hügel aus gefrorenem Schnee, der unter meinen Schritten leise bricht, was leider auch mein geringes Gewicht und die speziellen Schuhsohlen nicht verhindern können. Angewidert blicke ich auf die Spuren hinter mir, ich hasse es wenn ich Spuren hinterlasse… Kopfschüttelnd ziehe ich den Kragen meines Mantels höher um mich vor dem kalten Wind zu schützen. Was auf dem Zettel stand, den ich den Seeleuten zugeschnippst habe? Ganz einfach:

Ich bin Gain. Ich bezahle niemanden.

__________________________


Otomai sitzt grübelnd an einem Tisch, als wir sein Haus hoch oben im Stammbaum betreten. Seine blauen Haare fallen ihm lose über die Schultern und einige Fransen hängen ihm sogar ins Gesicht. Normalerweise trägt er immer eine komische Frisur bei der er die Haare in einem großen blauen Ball zurückbindet, ohne die sieht man ihn wirklich nur selten. Ich nehme mir einen Stuhl und setze mich dem Alchemisten gegenüber. Wir blicken uns lange schweigend an und ich muss daran denken wie dankbar ich ihm bin, dass er Pegasus und mich aufgenommen und gerettet hat, als er uns auf einer Reise verwundet nahe einer Schlucht auf Frigost gefunden hat. Wir wären damals beinahe gestorben und haben auch unsere Aufgabe verloren, der Dofus war verschwunden und nicht mehr auffindbar und auch von Creusa war keine Spur mehr zu finden. Meine Miene verfinstert sich, als ich daran denken muss was damals passiert ist. Ich zwinge mich die Gedanken an den verhängnisvollen Abend aus meinem Kopf zu verbannen.

Ich habe nie die Suche aufgegeben, wollte nicht glauben, dass Creusa tot ist und ich sie und den Dofus für immer verloren habe, doch der Gedanke schleicht sich seither zurück in meinen Kopf und ich leide darunter wie unter einem sehr langsam tötenden Gift. Seit Otomai uns gefunden hat leben Pegasus und ich bei ihm, wenn wir nicht gerade nach Creusa und dem Dofus suchen.

Otomai hat seinen Blick auf einige Steine gerichtet, die er auf der Tischplatte verteilt hat. Gerade liegt sein Finger auf einem kleinen Stück Knochen auf das eine Rune geschnitzt wurde. „Hmm…“, macht er während er sich mit der anderen Hand das stoppelige Kinn reibt. Er schnipst das Stück Knochen weg, gegen einen der Steine und nichts passiert. Danach wiederholt er das ganze beim nächsten Stein. Da ich weiß, dass man ihn bei seinen Weissagungen nicht stören sollte stütze ich mein Kinn auf und blicke aus einem der Fenster. Draußen fliegt ein rot gefiederter Vogel vorbei und setzt sich vor dem Fenster auf einen Ast. Fasziniert beobachte ich, wie sich das Licht in den roten Federn bricht und diese zu schimmern scheinen. Der Vogel krächzt leise, hebt einen Flügel und putzt sich mit seinem Schnabel. Verdutzt bemerke ich, dass eine kleine Pergamentrolle an den Flügel des Tieres gebunden wurde. Das wird wohl eine Botschaft für Otomai sein. Langsam erhebe ich mich und nähere mich dem Vogel, damit der nicht ängstlich davon fliegt. Ganz vorsichtig binde ich dem Vogel die Botschaft ab und betrachte ihn genauer. Er besitzt nicht nur rotes Gefieder, sondern auch vereinzelte schwarze Federn um seine Knopfaugen und seinen goldgelben Schnabel herum und einen schwarz gefiederten Bauch. Ich streichle dem kleinen Botenvogel noch einmal kurz über den Kopf und drehe mich wieder zum Alchemisten um und zwar genau rechtzeitig.

Dieser springt nämlich gerade aufgeregt auf, als er es geschafft hat mit seinem Knochenstück einen der Steine umzukippen. Doch noch im selben Moment stöhnt er verzweifelt auf und lässt sich auf den Tisch sinken. „Was ist los?“, frage ich und komme näher. „Die Rune bedeutet Gefahr“, brummt der Alchemist zwischen seinen Händen hervor. „Ich habe versucht dir ein Orakel zu legen, aber jedes Mal kam das gleiche Ergebnis. Die einzige Rune die sich gezeigt hat war Gefahr“ Er schüttelt den Kopf und dreht sich zu mir um. Ich zucke jedoch nur mit den Schultern. „Mit Gefahr komme ich gut zurecht“ Der Alchemist mustert mich nachdenklich und legt dann eine Hand an meine Wange „Gib auf dich Acht. Das Orakel spricht von einer sehr großen Gefahr und ich möchte nicht, dass du stirbst“, er dreht sich zu Pegasus um, der sich am Eingang des Hauses niedergelassen hat. „Dazu seid ihr mir beide zu sehr ans Herz gewachsen“ Er blickt mich noch einmal kurz mit einem durchdringenden Blick an und bemerkt dann die Schriftrolle in meinen Händen. „Ist die für mich?“ Ich zucke mit den Schultern. „Der Vogel da hat sie gebracht“, ich deute auf das kleine Tier, das nach wie vor am Fenster sitzt und seinen Flügel putzt.

Er überfliegt kurz die Nachricht und flucht leise. „Hör zu Loki. Ich muss dir jetzt etwas erzählen, das leider ganz und gar unerfreulich ist“, er bedeutet mir mich zu setzen und schiebt die Orakelsteine auf dem Tisch beiseite. Meine Kopfhaut beginnt zu kribbeln, denn mir schwant Böses. „Seit Nehra vor einigen Jahrzehnten dir und Creusa den Dofus anvertraut hat, formieren sich im Untergrund andere dunkle Kräfte, die ebenfalls nach der Macht des Wolkendofus gieren. Die Dunkelheit, die damals Wolkenschuppe korrumpiert hat wurde nicht ganz besiegt. Sie formiert sich seit der Schlacht damals neu und das haben auch andere Wesen bemerkt. Ich habe viele Nachforschungen anstellen lassen und gerade die Bestätigung erhalten, dass sich Splitter dieser Dunkelheit zu neuen Dofus formen, zu einer unglaublich starken Manifestation des Bösen.“ Sein Blick ist hart, während er spricht und seine Worte sind wie ein Hammerschlag in meinen Magen. „Schwarze Dofus?“, krächze ich. Er nickt ernst und legt das Pergament auf den Tisch. „Das ist eine Nachricht von Yamaha, dem Gildenobersten der dunklen Symmetrie. Er hat mir gerade bestätigt, dass Geryon zu den gleichen Ergebnissen gekommen ist wie ich. Geryon sucht bereits nach den Orten wo sich die Splitter manifestieren.“ Verwirrt schüttle ich den Kopf. „Aber wie kann das sein? Wie kann sich Dunkelheit einfach so zu einem Dofus verwandeln?“ Er kratzt sich nachdenklich am Kinn. „Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Meine Theorie ist, dass die Dunkelheit schon so lange mit Wolkenschuppes Wesen verschmolzen war, dass sie selbst die Form eines Drachens angenommen hat, dass sie sich quasi seinem Wirt angepasst hat.“

Betrübt schüttle ich den Kopf. „Eigentlich dachte ich, dass Nehra die Dunkelheit damals zerstört hat.“ Der Alchemist schüttelt vehement den Kopf. „Nein, nein, nein. Es ist fast unmöglich eine solche Macht zu zerstören. Auch für Nehra, obwohl die stumme Zauberin zu den mächtigsten der Welt gehört. Sie muss die Dunkelheit von Wolkenschuppes Seele getrennt haben und dann über die Welt verteilt haben. Ein sehr gefährliches Handeln, da wir bis heute nicht genau wissen, was damit passiert ist. Alles was wir wissen, ist dass die Dunkelheit sich manifestiert, aber wir wissen nicht genau wo, oder an welchen Orten. Und es ist sehr schwer diese zu finden.“ Ich nicke nachdenklich und klopfe mit den Nägeln auf den Tisch. „Was kann ich tun?“ Otomai reibt sich das Kinn. „Ich würde dich gern zu Geryon schicken. Vielleicht haben sie mittlerweile noch mehr Informationen. Ich selbst kann die Insel im Moment unmöglich verlassen. Unten im Keller… Ich muss mir eine Lösung für das Problem einfallen lassen“ Beunruhigt lächle ich. Anscheinend ist mal wieder eines seiner Experimente schief gelaufen. Ich nicke und richte mich auf. „Gut, wo finde ich Geryon?“ „Momentan dürften sie in einem der Gildenhäuser von Unicorn Glade in Bonta tagen.“ Bonta, eine schöne Stadt, doch zu sauber für meinen Geschmack. Als ich mich umdrehe um zu meinem Zimmer zu gehen ruft Otomai noch einmal nach mir und ich drehe mich um. „Pass auf dich auf, Loki“, nach einer langen Pause fügt er hinzu: „Ich werde dir noch ein paar nützliche Tränke zusammenstellen, vielleicht werden sie dir ja helfen“ Ich bedanke mich bei ihm und steige dann die Treppe hinauf.

Als ich in meinem Zimmer angekommen bin werfe ich mich seufzend aufs Bett. Es ist weich und riecht gut nach Stroh. Die Decke aus Killibri-Daunen schmiegt sich an meine Wange. Mit dem Gesicht auf dem Bett greife ich nach einem Bilderrahmen auf meinem Nachttisch. Seufzend wälze ich mich zur Seite und starre auf das Bild hinter dem Glas. Darauf sind Creusa und ich abgebildet, gemalt von einem Straßenzeichner aus Bonta, als wir dort vor einigen Jahren zu Besuch waren. Sie lacht gerade, wie so oft und wir strahlen beide über beide Wangen. Das war damals wirklich einer der schönsten Tage meines Lebens. Meine Finger berühren das Glas über ihrem Gesicht, als könnte ich sie auf diese Weise berühren, doch alles was ich spüre ist das kalte Glas unter meinen Fingerkuppen. Verzweifelt kämpfe ich gegen die Tränen an und es gelingt mir auch. Doch auch Iops können weinen und ich habe in der Vergangenheit viele Tränen vergossen.

Seufzend wälze ich mich zur Seite und drücke das Bild an meine Brust. Mit geschlossenen Augen überfliege ich, was ich mitnehmen muss und was unwichtig ist. Und dann versuche ich mich daran zu erinnern, welche Mitglieder Geryon mittlerweile hat. Bisher hat sich viel geändert und auch der Zahn der Zeit hat auch die Geheimorganisation nicht verschont. Viele Mitglieder von früher sind mittlerweile nicht mehr aktiv und neue Gesichter haben ihre Plätze eingenommen. Während Creusa und ich den Dofus bewacht haben sind viele Mitglieder, die damals an der Schlacht der blutigen Schwingen teilgenommen haben unsere Freunde geworden. Wir konnten zwar nicht so oft in ihrer Nähe sein und mit ihnen Kommunizieren, da der Schutz des Dofus wichtiger war, aber dennoch hat sich zwischen uns eine tiefe Verbundenheit entwickelt.

Doch war eines immer seltsam. Während unsere Freunde immer älter wurden, schien es als würden wir beide nicht altern. Ich sehe heute noch beinahe aus wie damals. Otomai hat vermutet, dass das durch die lange Gegenwart des Dofus passiert wäre. Schließlich ist Wolkenschuppe kein gewöhnlicher Drache, sondern einer der uralten Drachen, die noch vor dieser Welt existiert haben. Entsprechende Kräfte könnte auch ihr Dofus besitzen, sodass er sogar mächtig genug ist um den Alterungsprozess bei Creusa und mir zu unterbrechen. Ich weiß auch nicht, ob er jetzt, da ich wieder vom Dofus getrennt bin, wieder einsetzten wird. Fest steht nur, dass es passiert ist.

Das Stroh kitzelt an meiner Nase und ich richte mich auf. Mit dem Bild im Schoß putze ich mir die Nase und ziehe meine Umhängetasche unter dem Bett hervor. Sie ist leer. Noch einmal schaue ich das Bild an und lege meine Finger auf Creusas Abbild, bevor ich es zum Schutz in ein Tuch wickle und anschließend in die Tasche lege. Das Bild ist das erste was ich einpacke vor jeder Reise und das erste, was seinen Platz in meinem Zimmer wieder bekommt, wenn ich wieder ankomme. Auf unserer gemeinsamen Reise sind wir uns immer näher gekommen und mir ist Stück für Stück bewusst geworden, dass ich meine Sadidafreundin aus Kindertagen liebe. Wie sehr ich sie jedoch wirklich liebe habe ich erst realisiert, als es schon zu spät war, nachdem sie gewaltsam aus meinem Leben gerissen wurde. Dennoch hatte ich nach all dieser Zeit und den Gefahren die wir gemeinsam durchgestanden haben nie den Mut um ihr meine Liebe zu gestehen. Man sollte nie mit seinen Gefühlen hinterm Berg halten, denn wenn man realisiert was los ist, ist es meistens schon zu spät und man sitzt herum wie ein Häufchen Elend und weint, wenn man sich ein altes Bild ansieht.

Grimmig schüttle ich den Kopf und vertreibe die negativen Gedanken. Ein kräftiger Atemzug und ich leere meinen Geist. Jetzt gilt es sich auf die bevorstehende Reise zu konzentrieren. Einige Kleidungsstücke landen in der Tasche, ein Wetzstein für Dolche und eine Trinkflasche mit Wasser. Anschließend folgen noch ein paar Kleinigkeiten, die ich platzsparend einräume. Aus meinem Schrank nehme ich die leichte Lederrüstung und lege sie über meiner normalen Iopkleidung an. Anschließend nehme ich einen schweren Hammer mit einem breiten Hammerkopf und einem langen Stiel aus einer Halterung an der Wand und befestige ihn mit einer Schlaufe am Stiel auf meinem Rücken. Im Gegensatz zu den meisten anderen Iops habe ich einen guten Kriegshammer schon immer einem Schwert vorgezogen.

Prüfend betrachte ich mein Spiegelbild im angelaufenen Wandspiegel und fahre mir noch einmal durchs Haar. Anschließend schiebe ich mir noch einen Dolch in den Stiefelschaft und befestige einen an meinem Gürtel. Ein letzter prüfender Blick durchs Zimmer, dann schultere ich meine Tasche und mache mich auf den Weg nach unten, wo Pegasus und Otomai bereits auf mich warten.

Ende Kapitel I 
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