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Mi-mi-miaaauuu! Welche eine Freude, euch wiederzusehen, meine kleinen Hausmausjäger! Meine letzte Geschichte hat euch richtig gut gefallen, nicht wahr? Ulkig, was? Dann wollen wir mal sehen, wen uns das Schicksal dieses Mal bescheren wird ... Auf geht’s! Und es dreht sich, es dreht sich und es dreht sich wie die Welt in eurem Kopf am Tag nach Hassang Trapick ... Ush Galesh! Einer meiner tollsten Sprösslinge! Man könnte sagen, dass ihr verfluchte kleine Glückspilze seid. Also entdecken wir gemeinsam seine Geschichte!

Die Abenteuer und Missgeschicke, von denen ich euch gleich berichten werde, haben sich von Anfang bis Ende und durch die Mitte ganz genauso zugetragen!

Damals hatte Ush Galesh einen Faible für jede Art von Relikten und Werken der Maskeradoren. Er konnte sich damit brüsten, fast so viele davon zu besitzen wie berühmte Sammler, und das in einem Alter, in dem er noch nicht einmal seine Daunen verloren hatte. Die kürzliche Entdeckung einer Maske, die bis dahin noch vollkommen unbekannt war, der Maskintosh, hatte ihn in helle Begeisterung versetzt. Eines war ihm sofort klar: Er musste sie haben.

Aufbewahrt im Historischen Museum der Zwölfianer von Bonta unter einer Glasglocke und geschützt von einem Käfig aus gepanzertem Metall, war sie Maske das Objekt der Begierde nahezu aller Besucher. Neugierige aus allen Ecken der Welt der Zwölf eilten herbei, um sie zu bewundern. Dazu muss man sagen, dass man ihr unermessliche Kräfte beimaß, die denen der Götter in nichts nachstanden. Angeblich reichte es schon aus, ihr einfach nur in die Augen zu schauen, um mit göttlicher Gnade sowie Glück im Spiel und in der Liebe zugleich gesegnet zu werden. Aufgrund dieses schlagenden Arguments machten sich nun alle Roulettesüchtigen von Ecaflip City, denen Museen normalerweise viel zu langweilig waren, dorthin auf den Weg, um die Gunst der Götter für sich zu gewinnen.

Ush ist ein Ecaflip (soweit nichts Außergewöhnliches). Als solcher verfügt er über eine äußerst große Gelenkigkeit und Beweglichkeit. Diese besonderen Fähigkeiten der Katzen hatte er noch weiter trainiert. Hartnäckig und verbissen jeden Tag. Was das mit dem Maskintosh zu tun hat? Dazu komme ich noch! Was seid ihr doch wieder ungeduldig! Um das Objekt seiner Begierde in seinen Besitz zu bringen, musste Ush eine nicht zu verachtende Anzahl an Fallen überwinden. Wie ich bereits erwähnte, befand sich die Maske ein einer Schatulle aus Glas und Stahl, um sie vor gierigen Fingern zu schützen. Aber nicht nur das! Um den wertvollen Schatz zu sichern, hatte die Stadt Bonta die Überwachung verstärkt und ein System aus extrem bewegungsempfindlichen Seilen in Form eines Arachneennetzes rund um den Stahlkäfig platziert. Dies sollte auch die wagemutigsten Diebe abschrecken. Aber nicht die verrücktesten.

Es war 4 Uhr morgens. Zu spät, als dass sich noch eine Maunzmiez auf den Straßen herumtreiben würde, und zu früh, als dass die Welt der Zwölf bereits erwacht wäre. Die perfekte Uhrzeit für einen Einbruch. Plötzlich kam Ush aus einer dunklen Gasse hervor, das Gesicht unter einer Strumpfmaske verborgen, aus der ab und zu das goldene Funkeln seiner erweiterten Pupillen hervorstach. Zudem hatte er sich von Kopf bis Fuß in einen Overall aus schwarzem Fresssäckchenleder gehüllt. Natürlich wäre auch allein sein dunkles Fell in der Nacht nicht zu erkennen gewesen, aber darum ging es nicht. Nur ein am Tatort zurückgelassenes Haar hätte schon ein verräterisches Indiz dargestellt. Dieses Risiko wollte er nicht eingehen ...

„Hopp, hopp! Hopp! Haaa... HOPP!“

Ush war guten Mutes. Seit Monaten hatte er sich auf diesen Moment vorbereitet. Er sprang über die Mauern und Eingangsportale und klammerte sich schließlich an der Fassade eines Gebäudes fest. Der des Historischen Museums der Zwölfianer. Seine tief in den Stein gedrückten Krallen bereiteten ihm SchnuffWuff-Schmerzen. Aber das machte ihm nichts aus, denn er würde jedes noch so große Leid ertragen, um das Objekt seiner Begierde in den Pfoten zu halten. Nun kroch er entlang des Gebäudes nach oben.

Noch einmal mobilisierte er alle Kräfte, setzte mit gebeugten Hinterbeinen zum Sprung an und schnellte in die Höhe bis auf das Dach des Gebäudes. Hockend und auf der Lauer warf er einen kurzen Blick auf die Umgebung. Die ungehinderte Aussicht über Bonta war schier unbeschreiblich. Niemals hatte er die Stadt als so schön empfunden. Nun schien sie ganz allein ihm zu gehören. Mit einem Harem von Maunzmiezen ... Ush hätte diese Aussicht gern noch länger genossen, aber die Zeit drängte.

Aus einem Rucksack holte er einen Stadtplan hervor und klappte ihn mit einem Rascheln auf, das die Nachtruhe kurz unterbrach. Seltsam … Irgendetwas schien hier nicht zu stimmen. Beim Einzeichnen der Gebäude musste er sich irgendwie geirrt haben. Das passierte ihm doch sonst nicht! Er war wütend auf sich selbst. Wie war das möglich? Wie konnte das gerade ihm passieren, der sonst doch immer so genau ist? Schnell riss es sich zusammen. Dies war nicht der richtige Augenblick, um sich aus der Ruhe bringen zu lassen. Irren ist zwölfianisch! Dann musste er eben improvisieren ...

Da! Ein Fenster direkt auf dem Boden, der einzige Zugang zum Inneren des Gebäudes. Ush zögerte keine Sekunde. Egal, dann hatten sich eben seine Pläne geändert! Er vertraute alleine seinem Instinkt. Aus seinem Stiefel zog er eine rasierklingenscharfe Dracheiklaue und begann, damit das Glas zu zerschneiden. Ein kreisförmiges Loch, das gerade groß genug war, um seine Pfote hindurchzustecken, reichte schon aus, um den Öffnungsmechanismus des Fensters zu betätigen. Er tastete herum, suchte, neigte sich etwas weiter vor, streckte die Zunge zwischen den Reißzähnen hinaus, um sich zu konzentrieren, und ... BINGO! Mit einem leisen metallischen Geräusch purer Glückseligkeit öffnete sich das Schnappschloss. Nun wurde es endlich ernst. Ush trat von einem Fuß auf den anderen.

Aus seinem Rucksack zog er ein aufgerolltes dickes Seil von 10 Kametern Länge. Er befestigte es sicher an einem Schornstein und vergewisserte sich noch einmal seines festen Halts, indem er mehrere Male energisch daran zog. Noch einmal blickte er nach unten und zzzwuppp! STOPP! Bis hier und nicht weiter. Aufgrund seines fehlerhaften Umgebungsplans war sich Ush nicht sicher, wo er sich genau befand. Er musste also vorsichtig sein ... Um ihn herum war es absolut dunkel. Man sah genauso viel wie im Hinterteil eines Dracotruters. Der Ecaflip hatte sich bewusst dafür entschieden, keinerlei Leuchte mitzunehmen, um beim Vorbeigehen einer Streife der Polizei von Bonta nicht unnötig Aufmerksamkeit zu erregen. Stattdessen wollte er einfach auf sein Katzenauge vertrauen. Während er sich an seinem Seil festhielt, brauchte er eine gute Minute, bis sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnten. Da! Im Halbschatten rechts von ihm erkannte er verschiedene Silhouetten entlang der Wand. Wahrscheinlich handelte es sich um Masken von Maskeradoren. Doch die würde er sich später holen. Alles zu seiner Zeit. Ush blickte sich um. Links von ihm konnte er die Umrisse eines Rahmens ausmachen, der gut zwei Meter über dem Boden angebracht war. Zweifellos handelte es sich um das Gemälde der Iopwelle. Nun war Ush über seine Umgebung etwas besser im Bilde. Wenn seine Berechnungen diesmal stimmten, musste sich der Maskintosh in 30 Grad Nord von ihm befinden. Aus seinem Rucksack holte er einen Kompass mit einer diskret leuchtenden Nadel hervor, merkte sich die gewünschte Richtung und verstaute ihn sogleich wieder. Mit der Leichtigkeit einer Piepmatzfeder ließ sich der Ecaflip weiter an seinem Seil hinunter und kam wie auf Samtpfoten lautlos auf dem Boden auf.

Er hatte es geschafft. Ein wahrlich berauschender Augenblick. Er genoss ihn, ergötzte sich daran, blieb aber gleichzeitig weiterhin wachsam. Ush verharrte in seiner Position wie eine der zahlreichen Statuen des Museums und wagte nicht einmal zu atmen. Die wenigen Sekunden Wartezeit kamen ihm wie eine Ewigkeit vor. Es wurde keinerlei Mechanismus ausgelöst und kein Alarm ertönte. Alles lief wie geschmiert. Auf Pfotenspitzen und mit gekrümmtem Rücken bewegte sich Ush vorwärts. Wenn es sich nicht um eine so große Sache gehandelt hätte, wäre ihm bei seinem Gang selbst zum Schmunzeln gewesen.

Noch einmal warf er einen diskreten Blick auf seinen Kompass. Ush korrigierte die Richtung. Vor ihm ragte eine enorme Skulptur empor, bei der es sich um die des Großen Drachen handeln musste. Aber das interessierte ihn nicht. Jedenfalls nicht dieses Mal. Der Ecaflip setzte seinen Weg fort, als er plötzlich mit der Pfote gegen etwas stieß. Im Halbschatten erkannte sein geschultes Auge eine Art von Stäbchen. Etwa zehn davon schossen durch die Luft. Zweifellos handelte es sich um Pfeile. Der Kater rollte sich zur Seite und nahm Deckung hinter einer Säule. Ush war sich sicher, dass das Sicherheitssystem des Museums überarbeitet worden war und seine Aufzeichnungen deshalb nicht mehr stimmten ... Erneut wurde er wütend auf sich selbst. Aber nun gab es kein Zurück mehr. Er musste noch wachsamer sein und Fallen antizipieren, bevor sie ihn erwischen konnten. Der Eca kroch aus seinem Versteck hervor. Nach einem weiteren Blick auf seinen Kompass entschied er, sich nur noch kriechend fortzubewegen. Das Seilsystem musste sich nun eigentlich etwa drei Kameter vor ihm befinden. Eigentlich. Denn mittlerweile war sich Ush rein gar nichts mehr sicher ...

Als ihn schon beinahe die Verzweiflung überkam, sieht er es. Zahlreiche sich gegenseitig kreuzende Linien lagen vor ihm und verliefen kreuz und quer durch die Luft. Dies war das letzte Hindernis, das es zu überwinden galt. Zweifellos war es auch das komplizierteste. Aber er wusste, dass alles danach ein Kinderspiel sein würde.

Ush richtete sich langsam auf und steckte die erste Pfote zwischen zwei Seilen hindurch. So weit, so gut. Nun musste er in die Maunzmiez-Stellung gehen, die ihm sein Pandawa-Meister beigebracht hatte. Mit dem Hinterteil in der Luft führte er eine Wellenbewegung aus, um unter den Seilen hindurchzuschlüpfen, die sich direkt am Boden befanden. Die Spannung ließ sich kaum aushalten. Er konnte sein Herz gegen die kalten Fliesen trommeln hören. Mit den Pfoten fest auf dem Boden übte er Druck aus, um seinen ganzen Körper einen guten Kameter nach vorn zu schieben. Von seiner Schnauze triefte der Schweiß. All dies war deutlich anstrengender, als er es sich vorgestellt hatte. Solchen Stress hatte er während seines Trainings nicht gehabt, sodass er nun etwas aus dem Tritt kam. Ush versuchte, sich am Riemen zu reißen, und erinnerte sich daran, dass er nach all diesen Anstrengungen mit dem kleinen Wunder belohnt würde, das er schon seit so langer Zeit begehrt hatte ...

Nach einer leichten Bewegung auf die rechte Seite erhob er sich mit einem langsamen Rollen über den gesamten Rücken. Doch irgendetwas stimmte nicht. Diese Seilvorrichtung vor ihm entsprach nicht dem, was er erwartet hatte. Einmal mehr hatte er sich geirrt. Er biss sich auf die Lippe. Und wurde ziemlich ärgerlich. Was war nur passiert, dass er so dermaßen daneben lag?

Der Ecaflip atmete tief ein. Er krümmte sich und streckte die linkte Vorderpfote aus, um weiter nach vorn zu gleiten. Seine Haltung erinnerte an eine Kröte.

KRAAACK!

Nein! Sein Overall war gerissen, mitten im Schritt. Genau dort, wo er die meisten Haare hatte ... Nun konnte der Ecaflip nur noch beten, dass er keinerlei Haar zurücklassen würde, das ihn verraten könnte ... Nach einer mühsamen halben Drehung in sich selbst erhob er sich auf nur einer Pfote und wich erneut einem Seil aus. Nun führte er mit dem Bein eine perfekt einstudierte Kreisbewegung aus, als seine Ballen plötzlich etwas berührten. Ush stockte der Atem. Er schloss die Augen und zog eine Grimasse, denn er scheint in die Falle getappt zu sein. Doch diesmal hatte er Glück.

Einige Sekunden vergingen. Zu seiner Überraschung wurde kein Alarm ausgelöst. Dennoch hatte er eindeutig das Seil auf seinem Fell gespürt, darauf hätte er seine schneidende Sammlerversion einer Wabbit-Klaue verwetten können. Der Ecaflip öffnete ein Auge. Nichts.

Naja, ... fast. In der Ferne hörte er ein Knarren und das Geräusch von Rädern. Nun wagte er überhaupt nicht mehr, sich zu rühren. Die Muskeln in seinem Bein auf dem Boden waren dermaßen angespannt, dass er einen SchnuffWuff-Schmerz verspürte. Er zitterte und verlor mehrfach fast das Gleichgewicht. Lange hielt er es nicht mehr aus ... Da erfüllte plötzlich ein gleißendes Licht den Raum. Sofort verkleinerten sich seine Pupillen und seine Haare sträubten sich.

Ein untersetzter Typ stand mit verblüffter Miene in der Türöffnung und hielt eine brennende Fackel in der Hand. Hinter ihm stand ein Wagen voller Besen und anderer Reinigungsartikel. Ush stieß ein erstauntes Miauen aus.

Doch dabei war es nicht die Anwesenheit des Zwölfianers, die ihn am meisten überraschte. Nein … Was den Ecaflip vollkommen durcheinander brachte, war der Ort selbst, an dem er sich befand. Es war ein bunter Ort voller kleiner Möbel und Gegenstände. Im Raum erblickte er etwa zehn kleine Stühle in verschiedenen Farben und auch Tische, alle nicht sonderlich hoch über dem Boden. Ihm gegenüber befand sich eine Tafel, an der man noch das mit Kreide geschriebene Datum des Vortages erkennen konnte. Die links von ihm an der Wand hängenden Masken waren aus Pappmaché. Dann fiel Ush plötzlich ein, dass der Vertofurrückten Karneval quasi vor der Tür stand. Und er erinnert sich daran, dass er ähnliche „Kunstwerke“ angefertigt hatte, als er noch ganz klein war ... Vollkommen verdattert setzte er langsam seine Pfote ab.

Aua!

Auf dem Boden lagen jede Menge Buntstifte wie Mikado überall verstreut. Sie waren es gewesen, die er für Pfeile gehalten hatte ...

Und dann wurde Ush sich auch noch gewahr, dass das Gewirr aus Seilen, in deren Mitte er sich befand, nichts war als das Geschicklichkeits- und Kletterzeug, das man in Kindergärten finden konnte. Und wo befand er sich nun? Offenbar in einem Klassenraum einer Grundschule, deren Wände mit einer Reproduktion der Iopwelle aus übereinander gelegten und mit Farbe bemalten kleinen Händen sowie einer Collage aus Astaknydenblättern und Fressackwolle verziert waren.

Nicht nur dass Ush die Welt nicht mehr verstand, er konnte auch seine Scham nur schwer ertragen. Das Museum, die dunkle Nacht, seine mitunter nicht ganz scharfe Sicht ... Bedauerlicherweise hatte er sich auf ganze Linie geirrt. Um seinem Misserfolg zu entfliehen, sprang er auf, ergriff das Seil und kletterte es in Windeseile hinauf, bevor er in der finsteren Nacht verschwand ...

Was? Ihr kanntet diese Geschichte noch nicht? Wirklich? Seltsam … Nun, sicherlich hat Ush sie nicht unbedingt von allen Dächern geschrien! Ha, ha, ha! Aaach, kommt schon! Ein bisschen Spaß muss sein. Und was sich liebt, das neckt sich, nicht wahr?